Morschachs historisches Hotel-Wochenende steht bevor…


…und hält Ihnen diese geschichtsträchtigen, informativen, kulturellen und kulinarischen Köstlichkeiten bereit:

SAMSTAG, 13. JUNI 2026

13:30 – 14:45: Gärtner Otto führt durch die Morschacher Hotelgeschichte
Der Rundgang beginnt beim Tourismus-Pavillon gegenüber dem Swiss Holiday Park und führt zum Axenstein und zurück. Die Teilnehmenden erhalten den druckfrischen Hotelführer und Ottos Quiz-Trail-Faltprospekt.
Wir gehen der Frage nach, wie Gärtner Otto mit Nachnamen hiess, welches das allerälteste Hotel in Morschach ist, wo genau die Bahn durchfuhr, wie hoch die Mammutbäume heute sind und vor 100 Jahren waren und wie gross man sich dieses Hotel Axenstein vorstellen muss.

15:00 – 17:00: “Grand Hotel Excelsior” im Swiss Holiday Park-Kino
Wir laden ein ins “Grand Hotel Excelsior” von Meinrad Inglin … und zur Ausstellung über die Vorgänger des Hotels Swiss Holiday Park, das den Ausstellungs-Apéro offeriert.

18:30 – …: Ein Gala-Abend im Belle Époque Hotel
Einen Abend lang geniessen wir die Belle Époque Ambiance im 1870 erbauten Seehotel Waldstätterhof. Vor dem Apéro durchstreifen wir unbekannte Räume des Hotels. Dann eröffnet das Franz Lehár Quartett das Gala-Dîner im Mythensaal und unterhält uns nach jedem Gang mit einem kurzen musikalischen Intermezzo. Anschliessend lädt es zum Tanz mit Musik von Johann Strauß, Franz Lehár, Johannes Brahms und weiteren Komponisten der Belle Époque.

 


SONNTAG, 14. JUNI 2026

11:00: Start des Festes mit dem Willkommens-Apéro und dem Alphornsolo auf dem Schulhausareal Morschach

Danach folgen weitere Attraktionen und Erlebnisse auf dem Areal:

Geschichte(n) von Morschach
Präsentation der Familien-Chroniken der Axenstein-Gründer
Ausstellung: Die Unternehmer-Dynastien Eberle und Theiler
Die Morschacher Hotels der Belle Époque
Morschachs Entwicklung von der Dufourkarte 1864 bis zur Siegfriedkarte 1915
Episoden aus Meinrad Inglins “Werner Amberg” von P. Adrian Willi

Originale
Ausstellung mit Originalgedeck aus dem Grand Hôtel Axenstein

Begegnung & Genuss heute
Street-Food-Stände von Morschacher Köchinnen und Köchen
Belle-Époque-Café
Wyberkapelle mit Christian Enzler

Entdecken & weitergehen
Der Quiz-Trail “Mit Gärtnermeister Otto durch Morschachs Hotelgeschichte”

Der Leckerbissen von Fronleichnam 2026

Der Leckerbissen von Fronleichnam 2026

Sage – Gerücht – Fake News

Die Geschichte passt zum heutigen Feiertag, weil zwei Pfarrherren sie schriftlich festgehalten haben. Sie hat einen langen Weg hinter sich und handelt vom Handelsweg von Norden nach Süden, der über Morschach führte. Bevor Ambros Eberle in der denkwürdigen Sitzung vom 26. April 1865 den Morschacher Gemeinderat von der Notwendigkeit einer Strasse nach Brunnen überzeugte (siehe Das Appetit-Häppchen vom 17.04.2026) führte nur Brändli-Tonelis Fussweg nach Brunnen (siehe Die Regionale Feinkost vom 03.05.2026).

Die einzige Strasse nach Morschach führte von Ibach über Oberschönenbuch zur Schwyzerhöhe. Von dort führte ein Saumweg zum Vierwaldstättersee, von wo es mit dem Schiff weiterging. Bei der Weggabelung entschied man sich entweder für den längeren, weniger steilen Weg über den Dägerbalm zur Sust von Sisikon oder für den kürzeren, steilen Weg beim Mattli hinunter zur Morschacher Sust am Ort. Aber diese wurde vermutlich im 19. Jahrhundert nicht mehr stark benützt. Denn die Urner Regierung beschwerte sich am 15. Mai 1813 über deren  baufälligen Zustand.  Vielleicht war es den Leuten auch nicht so geheuer auf diesem Weg, an dem gemäss einer Notiz des Morschacher Pfarrers Betschart das Morschacher Tor stand:

“Das Morschacher Thor von Stein, war ob dem Urner-See, ob dem Morschacher Ort, ob der Sust, die jetzt noch steht; dort zieht sich beim Eisenbahn-Übergang über die Strasse, ein Fuss- und Fahrweg hinauf ins Morschacher Land; gerade da bei dieser Einmündung sei das Thor gewesen. Auf der einen Seite dieses Weges soll ein grosser Stein und auf der andern Seite Gemäuer gewesen sein, worauf ein grosser langer Plattenstein gelegen sei; also der Durchgang unter diesem Plattenstein habe das Steinerne Thor geheissen. […]. Obige Angaben hat ein alter Mann schon vor 40 Jahren mir gemacht, welcher den unterhalb des Weges liegenden Plattenstein noch gesehen hat. Ob diese Angaben richtig sind, kann ich natürlich nicht verbürgen. Ich kann da nur berichten, was ich von anderen gehört habe. Morschach, den 15. Dec. 1903. Pfr. Betschart.”

Am Anfang des 20. Jahrhunderts berichtet der Pfarrer interessiert, aber bewusst zurückhaltend. Da erzählt 100 Jahre früher sein Schwyzer Amtskollege Joseph Thomas Fassbind in seinen ‘Geschichten des alten Landes Schwyz’ sehr viel farbiger. Das Zitat von Joseph Thomas Fassbind stammt aus dem Bericht von Fritz Ineichen “Überlegungen zum Morschacher Thor” im Bote der Urschweiz Nr. 64 vom 3. Juni 1987.

Ob beide Pfarrherren von der gleichen geologischen Formation sprechen, ist unklar. Fassbind tendiert eher zur Sage, Betschart eher zum Gerücht. Walter Ineichen zu Überlegungen. Aber alle drei interessiert dieses Phänomen. Ein fruchtbarer Boden zum Weiterspinnen des Fadens und daraus ein klares Bild zu erzeugen. Dieses Bild auf einer undatierten Postkarte ist natürlich ein Fake, aber es hält die Sage / das Gerücht von Findlingen, die nicht mehr auffindbar sind, am Leben. Würde man heute die Texte der beiden Pfarrherren einem KI-Programm verfüttern, käme ein ähnliches Bild heraus. Und die Geistlichen würden sagen: Beatus, qui credit – Wer’s glaubt, wird selig.

SG.CIV.12.797, Fantasie-Karte: Morschacher-Tor, keine Angabe, Artist:

Quellen:

  • Dufourkarte 1864 von geoadmin.ch. Die Axenstrasse wurde wegretouchiert, denn deren Bau war 1864 erst geplant.
  • Die handschriftliche Notiz und deren Transkription stammen aus dem Morschacher Pfarrarchiv.
  • Die Postkarte ‘Morschacher Thor’ befindet sich im Schwyzer Staatsarchiv SG.CIV.12.797.
  • Das Schreiben der Urner Regierung zur Sust am Ort befindet sich im Staatsarchiv Schwyz HA.IV.187.012.

Die Regionale Feinkost vom 04.05.2026


Dichtung und Wahrheit

Im letzten Appetit-Häppchen erfuhren wir die Fakten zur Vorgeschichte des Hotels Axenstein. Diese bilden die Struktur wie das Gerippe eines Körpers. Um diesen zum Leben zu bringen, braucht es aber Fleisch auf die Knochen, denn wer will schon die Rippen sehen.

Ambros Eberle hatte also das Brändli gekauft – zu einem je nach Blickwinkel überhöhten bzw. günstigen, sagen wir einfach zu einem anständigen Preis. Und nun forcierte er noch den Bau der Strasse nach Brunnen. Das war nicht nur im Gemeinderat Morschach, sondern auch im Dorf und der weiteren Umgebung ein ergiebiges Gesprächsthema. Das liesse sich doch sicher positiv ausdeuten und gewinnbringend bewirtschaften. Ambros Eberle war ja nicht nur Redaktor des Waldstätter Boten und der Schwyzer Zeitung, die er in seiner 1846 gekauften Buchdruckerei Kälin in Schwyz druckte. Er war auch Hobby-Dichter. Aber in diesem Fall konnte er nicht gut selber schreiben. Anfang der 1860er Jahre machte Karl Eichhorn in Schwyz seine Schriftsetzerlehre und entdeckte seine eigene schriftstellerische Ader. Seine poetischen Beiträge erschienen schon bald in verschiedenen Blättern. Ab 1870 war er 25 Jahre lang Redaktor verschiedener Zeitungen und verlegte sich danach ganz aufs Dichten. 1896 erschien sein Hagröslein – Erzählungen und Bilder aus dem Volksleben der Waldstätte mit der 30-Seiten-Geschichte: Der Brändli-Toneli auf Morschach.

Kurzfassung: Toneli, der Sohn der “Brändli”-Franziska, erledigt als Botenjunge von Morschach den täglichen Warenaustausch zwischen Morschach, Brunnen und Schwyz auf dem Fussweg durch den Wald. Eine Strasse gibt es ja noch nicht. In Brunnen hört er jeweils dem Geigenmacher Suter beim Spielen zu. Dieser gibt ihm dann kostenlosen Geigenunterricht. Toneli rettet am Fronalpstock dem verletzten Engländer Warren das Leben und unterhält diesen in der Genesungszeit mit seinem Geigenspiel. Warren vermittelt ihm eine künstlerische Ausbildung bei einem Maestro in Italien, stirbt aber unglücklicherweise, bevor Toneli seine Reise antreten kann. Toneli macht darauf eine Lehre in der Talmühle in der Umgebung. Später erfindet er als Obermüller in der Ostschweiz ein verbessertes Mahlwerk und kommt so zu Reichtum. Ein Ausländer hört bei einem Fest Toni in einem “Dilettanten-Orchester” Geige spielen. Über Toni erhält der Geigenmacher Suter den Auftrag, drei Geigen zu bauen. Diese sind so ausserordentlich, dass die ausländische Firma den Geigenbauer zu sich holt und dieser berühmt wird. Auch in Morschach geschieht einiges: Suter und Franziska Imhof treffen auf dem Brändli vor Suters Abreise in die fremde Hauptstadt den welschen Landschaftsmaler Calame. Und Ambros Eberle erscheint und kauft Franziska Imhof das Brändli zum dreifachen Preis ab. Diese zieht glücklich ins Dorf hinunter. Anton Imhof kauft die Talmühle, gründet eine Familie und spielt in der Freizeit in einem kleinen Orchester.


Würde man diese Geschichte verfilmen, stünde im Vorspann wohl: “Inspiriert von wahren Ereignissen”. Denn der Geigenbauer Karl Suter-Oetiker wurde 1845 in Brunnen geboren und starb 1876 in Freiburg i. Br. Das bestätigt Theophil Fritz Wiget, alt Kantonsbibliothekar Schwyz, am 28. Juli 1981 im Brief an den Direktor des Schweizerischen Idiotikons, Peter Dalcher:


Jetzt wird es zeitlich eng, denn der englische Förderer von Toneli stirbt in der Geschichte im Jahr 1859, als der echte Geigenbauer erst 14 Jahre alt war. Und der Maler Alexandre Calame, dessen allgemeinen Ausspruch: “Le plus beau pays du monde” die Morschacher ganz für sich allein in Anspruch nehmen, kommt auch in Zeitdruck:

(S. 154)

Calame starb bereits 1860 in Menton.

Die Schilderung des Landkaufs durch Ambros Eberle jedoch klingt realitätsnah und erinnert inhaltlich an die Gemeinderatssitzung vom 26. April 1865: Er plane “ein Unternehmen, das der Einwohnerschaft von Morschach viel Verdienst bringen und der Gemeinde zu ungeahntem Aufschwunge dienen dürfte. […] Man wolle sie nicht überrumpeln, gebe ihr gegenteils acht Tage Zeit, um sich die Sache gehörig zu überlegen. Auch biete man ihr das Dreifache des Kaufpreises, der im letzten Kaufbriefe eingetragen sei, unter der einzigen Bedingung, daβ der Handel vorderhand noch geheim gehalten werde.” (S. 153).
Ob die Erzählung eine Auftragsarbeit oder ein Freundschaftsdienst war, lässt sich nicht feststellen, aber eine gute Reklame für den Axenstein war sie auf jeden Fall. Wer die ganze Geschichte lesen will, findet sie HIER. Wie Theophil Fritz Wiget an Peter Dalcher schreibt:

Als Quellen dienten:

  • Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 2. 6. Aufl. Leipzig, 1913, S.120.
  • Karl Eichhorn: Der Brändli-Toneli auf Morschach. In Karl Eichhorn: Hagröslein – Erzählungen und Bilder aus dem Volksleben der Waldstätte. Luzern 1896. S. 129-158.
  • Brief von Wiget an Dalcher vom 28. Juli 1981 aus dem Nachlass von Theophil F. Wiget im Staatsarchiv Schwyz STASZ PA 83 Cv 24-05.02 Grand-Hôtel Axenstein
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandre_Calame

Das Appetit-Häppchen vom 17.04.2026

Une question de point de vue    

Die Zubereitung des heutigen Appetit-Häppchens begann vor 400 Jahren. Also ein recht hartes Stück Brot. Am 12. Mai 1628 beurkundet die Schwyzer Regierung:


“Wir Landamman und gesäβener Landrath zu Schwÿz thundt kund & zu & zu wissen”, dass die “Gärten im Anschart”, die von Kirchgenossen bisher auf Lebzeit und nicht vererbbar gepachtet werden konnten, neu als Eigengut übergeben werden. Denn durch die Pflege der Landstücke, die “nicht anderst dan[n] Stein und Studen gsin, [sei] auf groβe Mühe & Arbeit solches uszurüthen & zu sübren, & sunst einichen Nutzen hier usgezogen worden”.

Die vorliegende Abschrift dieser Urkunde ist dem Protokoll des Gemeinderats Morschach vom “26. Abrill 1865” vorangestellt, denn in der Urkunde wie im Protokoll geht es um “diese Gärten im Anschart”.

Aus dem Protokoll dieser Gemeinderatssitzung vom 26.04.1865 lässt sich schliessen, dass die Zimmertemperatur hoch gewesen sein muss in dieser Sitzung. Denn der Gemeinderat musste sich gegenüber Herrn “Kantons- & Kanzleidiräktor Amb.[bros] Eberle” und dessen “Fürsprech Eberle” zu happigen Vorwürfen verteidigen. Die beiden Eberle, beide von Einsiedeln, aber nicht näher miteinander verwandt, hatten 1864 das Anschart [die Gemarkung] Brändli gekauft.

Aus Sicht von Ambros Eberle war das ein Glückskauf und er schickte seiner Tochter Marguerite im September 1864 einen Brief ins Internat nach Freiburg, den er mit einem Gedicht eröffnete:

Links, wenn man von Brunnen fährt
Dem Mythenstein g’rad über
Liegt eine Wiese im Gehölz
“Brändli” nennt sie das Volk der Hirten.


In Morschach aber schüttelte das Volk der Hirten den Kopf, dass man für einen Teil dieses mit Wald und Unterholz überwachsenen Stücks Hügel 5000 Franken bezahlen konnte. Dem Namen “Brändli” nach war das Land wahrscheinlich brandgerodet, aber kaum von grossem landwirtschaftlichem Nutzen. Und nun wollten diese Herren aus Einsiedeln dort eine Kuranstalt bauen, wohl nach dem Vorbild der “Molkenkuranstalt” auf dem Stoos, wo die Reichen in der Molke badeten, bevor sie an die Schweine verfüttert wurde. Und damit die Gäste nicht den normalen Weg über Oberschönenbuch nach Morschach nehmen müssten, wollten die Herren, dass die Gemeinde eine Strasse durch den Wasiwald nach Brunnen baue!

Zwei völlig entgegengesetzte Blickwinkel: Die Einheimischen blickten auf den Hügel und die viele Arbeit, die dieser den Bauern abverlangte – die Fremden drehten dem Hügel den Rücken zu und sahen die wunderbare Aussicht auf den See und die Berge und wenn sie sich umwandten, sahen sie einen wilden, romantischen Wald und die Einheimischen, die sich gegen das Neue stemmten, und deshalb etwas mühsam waren, aber gleichzeitig eben auch ursprünglich und dadurch echt romantisch. All das würde die Hotelgäste aus aller Welt begeistern.

Nur Zeit hatten die Herren wenig, denn die neue Axenstrasse, die vielen als 8. Weltwunder galt, würde im Sommer eröffnet werden und der Anschluss nach Morschach drängte. Also wandte sich Ambros Eberle als einflussreicher christlich-konservativer Partei- und Kirchgänger an Kaplan Egg von Morschach. Dieser schlug friedfertig dem Gemeinderat Morschach einen Freundschaftsvertrag mit den Herren Eberle vor.

Darin einigte man sich auf den gemeinsamen kleinsten Nenner: ‘Zeit ist Geld’ und ‘Wer zahlt, befiehlt’. So beteuerte der Gemeinderat, dass er natürlich für die neue Kuranstalt und die neue Strasse sei und die Herren malten die Zukunft für das Volk der Hirten golden und übernahmen einen Grossteil der Baukosten für die Strasse nach Brunnen. Das klang in Morschacher Amtsdeutsch dann so:

“So, wurde beschloßen:

  1. Daß dieses Gerücht unwahr sei, & als null & nichtig bleiben soll.
  2. Sei das den erwänten Herren zu verdanken, das Sie willens seien
    eine Kuranstalt oder ein Gasthaus auf dem Anschart Brändli zu erbau-
    en, das dieses ein Glück für die Gemeinde Morschach anzusehen sei
    in dem man für gewiβ erwarten kan, das für das Algemeine-Bublikum
    vill zu verdienen geben kan.
  3. Daß man auch für gewiß erwarten kann, das die Hern Eberle ein schö-
    nes Opfer an unsere Verbindungsstraße thun werden.
  4. Seien 2. Mitglieder als Ausschüse auser dem Gemeindrath gewält
    worden von den Hern alt Präsidenten Bernardin, Imhof & Fr.[anz]
    Steiner, damit selbe zu den erwännter Herrn zu gehen, & Sie im
    Namen des Gemeindrathes zu begrüssen, & den [Be]Schluß den Herren
    zu eröfnen, & die Zufriedenheit des Gemeindrathes wie auch des allge-
    meinen Bublikums auf Morschach zu erklären, & das man daß Wohl
    besonders für die Gemeinde Morschach erkenne & mit Dank erwarte.
  5. Sollen die Ausschüβe Namens des Gemeindrathes & dem geehrten
    Bublikum sich mit den Herrn Eberle freundschaftlich berathen
    auf welch Weiβe man am besten könne einen Entwurf treffen, betrf.
    dem umliegenden Gestreuch in um-kreise auf dem Anschart Brändli
    daß bis dato am Wärt für sehr gering oder gar nicht geachtet worden
    wie man sich an die nächste Oberallmeind wenden könne, um das
    erwännte Gestreuch am leichtesten zu erhalten.
  6. Das die Herren Eberle uns behülflich sein möchten betref der neu-
    en Morschacher Straße fals dieselbe vorgenommen werden kann.”

So wurde der Grundstein für eine florierende Epoche Morschachs gelegt, indem alle sich trotz verschiedener Brillen auf einen gemeinsamen Blickwinkel einigen konnten: Das Wohl des Dorfes.

Als Quelle diente das Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 26. April 1865 aus dem Gemeindearchiv Morschach und die Seite 37 der Familien-Notizen der Eheleute Meinrad Theiler und Marguerite Eberle aus dem Archiv von kultur . morschach.

Das Amuse gueule vom 19.03.2026

Die französiche Wortwendung mit ‘gueule’ anstelle von ‘bouche’ ist zwar die ursprüngliche, aber heute nicht mehr salonfähig. Von Louis Agassiz zeigten wir in den letzten Kurznachrichten die salonfähige Seite: Als Erforscher der Urmeerestiere und der Eiszeit hat er mit seinen Arbeiten grosse wissenschaftliche Verdienste erworben. Auch im Unterricht mit seinen Studenten galt seine didaktische Methode als bahnbrechend, weil er nicht im Hörsaal dozierte, sondern mit den Studierenden direkt in der Natur forschte.

Heute befassen wir uns mit der nicht salonfähigen Seite des gleichen Louis Agassiz: Er war ein überzeugter Rassist und entwickelte dazu Theorien, die bis heute von Gleichdenkenden als wissenschaftlich angesehen werden, es aber schon damals nicht waren.  Zu Agassiz Zeit bekam zwar Darwins Evolutionstheorie immer mehr Anhänger, aber Agassiz war als tiefgläubiger Christ ein überzeugter Anhänger des Katastrophismus. Dieser lehnte eine stetige Entwicklung der Lebewesen ab und propagierte, dass von Zeit zu Zeit grosse Katastrophen alles Leben auslöschten. So bezeichnete Agassiz die Gletscher als “die grosse Pflugschar Gottes”. Nach einer solchen Grosskatasdtophe entstand durch Zuwanderung aus verschonten Gebieten wieder neues Leben – so wie in der biblischen Sinthflut mit der Arche Noahs, oder Gott schuf nach jeder Katastrophe die Schöpfung wieder neu. Zu dieser Weltanschauung passte die Idee des Polygenismus: Die Menschheit entwickelte sich nicht, sondern Gott schuf in verschiedenen Weltteilen verschiedene Rassen. Und aus deren Errungenschaften liess sich eine Rangliste ableiten und beweisen, dass die weisse Rasse die überlegene war und von Gott zur Herrschaft über die anderen geschaffen wurde. Keine Rasse dürfe sich mit anderen Rassen vermischen (Rassenschande und Eugenie), um nicht in Gottes Werk zu pfuschen.
Diese Seite von Louis Agassiz war bei seiner Würdigung auf dem Geologenstein wohl noch wenig bekannt und Darwins Theorie wurde von der katholischen Kirche erst über 100 Jahre später anerkannt.
Wichtig ist aber, wie man heute mit dem aktuellen Wissenstand umgeht. Soll bei einer Restaurierung des Geologensteins einfach Agassiz Lunette leer bleiben? Totschweigen wäre doch billige Geschichtsfälschung. Deshalb zeigen wir beide Seiten des Menschen und Propagandisten Louis Agassiz:  den bekannten Eiszeitforscher, wie ihn Ambros Eberle sah und den bekannten Rassentheoretiker, als den Agassiz sich selber bezeichnete und der hoffentlich nie mehr salonfähig wird.

Als Quelle dieses Betrags diente hauptsächlich der Artikel Louis Agassiz aus dem  Historischen Lexikon der Schweiz vom 23.03.2018 von den Autoren Hans Barth und Hans Fässler.

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Das Amuse bouche vom 23.02.2026

Ein Findelkind und seine vier Paten

Als Quellen dienten:
Edouard Osenbrüggen: Axenstein – Vierwaltstättersee, Verlag Orell Füssli Zürich, 1867 und
https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Agassiz

Der Erbauer des Hotels Axenstein, der Einsiedler Ambros Eberle (1820 – 1883), war als Kind seiner Zeit Romantiker und Realist zugleich. Als realistischer Geschäftsmann kannte er den Hang seiner Gäste zur Romantik und gestaltete seinen Hotelpark mit vielen verschlungenen Waldwegen, zierlichen Pavillons und idyllischen Ruheplätzen aus .

Plan aus: August Feierabend: Axenstein am Vierwaldstättersee. Schwyz 1869

Die dort zahlreich herumliegenden grossen und kleineren Findlinge schmückte er mit seinen Gedichten. Die Sprache romantisch und der Inhalt oft mythisch wie die Inschrift des “Druidensteins”, aber dann  auch wieder sehr nah an den wissenschaftlichen Entdeckungen seiner Zeit.

Den Geologen-Stein hinter dem Gletschergärtchen widmete er vier bekannten, zeitgenössischen Schweizer Wissenschaftlern: Die Professoren Bernhard Studer und Arnold Escher von der Linth galten als “Urväter der Schweizer Alpengeologie”, ihr gemeinsamer Kollege Oswald Heer dozierte als Botaniker ebenfalls am Polytechnikum Zürich (heute ETH) und war berühmt als Bergsteiger.

Nur der vierte auf dem Stein fällt etwas aus der Reihe. Sicher war er der Berühmteste der Vier und als Doktor der Philosophie und Doktor der Medizin hochgebildet. Der König von Preussen, der ja auch Fürst von Neuenburg war, richtete ihm dort eigens eine Professur ein, wo er international angesehener Experte für Fische und Stacheltiere wurde. Er veröffentlichte unter seinem Namen Louis Agassiz viel und publikumswirksam – meistens Arbeiten seiner Mitarbeiter und Studenten.

Berühmt wurde Agassiz durch die Entdeckung, dass das ganze Schweizer Mittelland früher von Gletschern bedeckt war, die Findlinge transportierten. Nur hatte diese Entdeckung nicht er, sondern sein Freund Karl Friedrich Schimper gemacht, was Agassiz bei der Veröffentlichung seiner Hypothese allerdings überging. In der Folge widmete er sich intensiv der Erforschung  der Gletscher in der Schweiz und in Amerika und wurde als Begründer der Eiszeittheorie gefeiert. Das würdigte Ambros Eberle auf dem Geologenstein mit der Inschrift:

 LOUIS AGASSIZ 
 Du warst der Erste, der sich bekehrte
und lehrte:
Colosse, wie hier liegen,
Können nicht fliegen, –
Sie kamen hier an
Per Gletscherbahn
 

Die Fortsetzung mit wenig rühmlichem Ende folgt in ein paar Tagen – Bleiben Sie dran!

Die Vorbereitung läuft auf Hochtouren …

… für das food&culture.morschach_2026
am 13./14. Juni 2026

und Sie können sich mit unseren wöchentlichen Kurznachrichten langsam darauf einstimmen.

GrandHotelAxenstein_oH

 

Seit zwei Jahren arbeiten wir an der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung unseres Festwochenendes zur legendären Morschacher Hotelgeschichte.

Aktuell sind wir intensiv daran, Archivmaterial unseres Vereins, der Gemeinde, des Kantons, der Schweizerischen Nationalbibliothek und weiterer Sammlungen zu sichten und Fotos und Dokumente inhaltlich und technisch aufzubereiten. Hunderte von Bildern und Schriftstücken werden für die Ausstellung, unsere Website und eine dauerhafte Dokumentation zusammengestellt.

Ein besonderer Meilenstein: Zwei Familienchroniken der Axenstein-Gründer werden für das Fest erstmals vollständig transkribiert. Die älteste Chronik beginnt 1873 in London und endet 

Wir freuen uns, Schritt für Schritt mehr Einblicke zu geben und vor allem darauf, im Juni 2026 gemeinsam mit Ihnen Morschachs Belle Époque wieder aufleben zu lassen.

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Ich möchte mich gerne bei der Lektüre der Kurznachrichten auf das food&culture . morschach vom 13./14. Juni 2026 freuen.

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