Hotel Axenfels

Diese Seite wurde uns in verdankenswerter Weise von Herrn Ruedi Immoos zur Veröffentlichung auf unserer Webseite freigegeben.

Das Palace Hotel Axenfels zur Zeit der Belle Epoque das zweite grosse Hotel in Morschach

Heute wissen nur noch Einheimische und Kundige, wo ganz genau das Hotel Axenfels in Morschach Gäste aus allen Herren Ländern beherbergte. Man findet nur noch ganz wenige Erinnerungen und Überbleibsel der grossen Hotelanlage. Darum will ich hier die Erinnerung an die grossen Zeiten von Morschach wieder etwas auffrischen. Starten wir die Reise in die Vergangenheit.

Der überwältigende Erfolg des Grand Hotels auf dem Axenstein fand in Morschach bald emsige Nachahmer und Konkurrenten. 1873 wurde das zweite grosse Luxushotel, das Palace Axenfels, von Herrn M. Imhof erbaut und am 28. Juni 1874 eröffnet. Es war ein stattliches Gebäude an bester Aussichtslage im Westen des Dorfes. Es konnte ungefähr 170 Betten anbieten und hatte 140 Zimmer. 42 davon hatten einen schönen Balkon. Das Hotel wurde als imposanter Bau mit 17 Fensterachsen gebaut. Dem Hotel vorgelagert war eine Veranda mit klassischen Säulen. Zwei seitliche Treppen führten in den Garten.

Hotel Axenfels-Grüter

Das grosse Hotel kam aber schon bald einmal in finanzielle Schwierigkeiten. Bei einem Konkurs 1879 verzichteten die Gläubiger auf ihre Guthaben und die Boden-Kredit-Anstalt Bern übernahm das Hotel für 498’000 Franken. Es wurde 1880 auf vier Jahre an Herrn Stocker, einen bekannten Wirt aus Zürich, verpachtet. Ab 1884 war es wiederum vier Jahre im Besitz von Hotelier Theodor Wirth-Strübin von Interlaken. 1888 ging es in den Besitz von Paul Schnack über. Dieser war mit seiner Familie aus dem Elsass eingewandert. Er führte das Hotel lange Zeit mit grossem Erfolg. Er baute das Haus auf gleichem Grundriss um und renovierte es. Dabei erhielt es einen grossen Blendgiebel und bot einen stattlichen Anblick. Man konnte es von weit her über den Vierwaldstättersee schon sehen.

Palace Axenfels Postkarte 1907 - Arbeitskopie 2

Das Hotel befand sich über der grossen Kurve des Bahntrassees in der Nähe der später erbauten Zwischenstation der Brunnen-Morschach-Axenstein Bahn. Seine exponierte Lage auf der Felskante der Wasiwand bot den Gästen einen herrlichen Ausblick über den See, auf das Rütli und in die Urnerberge. Zum Hotel gehörten verschiedene Anlagen und Nebengebäude: eine Kapelle, das „Rothus“ (Personalhaus), eine Dépendance (1984 durch Brandstiftung vernichtet), Lawn-Tennisplätze, Schwimmbad und eine Gärtnerei. 1902/03 wurde der grosse Park erweitert und umgestaltet. 1903/04 wurde das Hotel durch den Architekten Arnold Cattani vollständig umgebaut. Das alte Dachgeschoss wurde ein Vollgeschoss und das Hotel erhielt ein neues sechstes Stockwerk. Bei diesem Umbau erhielt das Haus die charakteristischen drei Turmaufsätze (Bild oben). Im Innern wurden Duschen erstellt, elektrisches Licht installiert und ein Lift eingebaut.

AXENFELS SCHWIMMBAD-BOTE 25071998

Im Palace logierten in der Blütezeit der Belle-Epoque Hoheiten und reiche, angesehene Leute aus allen Herren Ländern. Mit einer breiten Fussgängerbrücke (Passerelle) über die Strasse und das Bahngeleise wurde die Verbindung zum prächtig gelegenen grossen Waldpark über dem Felsabbruch zum Urnersee hergestellt. 1904 eröffnete das Palace Hotel Axenfels als erstes Hotel in Morschach einen 9-Loch Platz für die englischen Golfer. Er galt als eine der schönsten Anlagen des Landes und befand sich in der unteren Rieten am Hang gegen Laui und den Wiesen gegen das Mattli.

Axenfels Golf- Bote-17122008

Paul Schnack verstarb am 17. Juni 1917. In der Folge geriet das Hotel auf Verlangen der Erben in Liquidation. Im Jahre 1939 war es letztmals für Touristen geöffnet. In der Zeit des zweiten Weltkriegs diente das Haus als Militärunterkunft und als Ausbildungszentrum für den Schweizerischen Frauenhilfsdienst (FHD). Seit den beiden Weltkriegen kämpfte das Palace Axenfels mit unüberwindlichen finanziellen Schwierigkeiten. Da es in einem schlechten und renovationsbedürftigen Zustand war, bestand keine Aussicht für eine Rettung. Es wurde darum 1946/47 von einer speziellen Firma abgebrochen. Das gesamte Mobiliar wurde nach Frankreich verkauft.

Karte Standort Palace Axenfels

Anstelle des 1947 abgebrochenen Palace Hotels Axenfels wurde 1983 das Feriencenter Axenfels erstellt. Im Bereich des 1996 zum Swiss Holiday Park umgewandelten und erweiterten Hotelkomplexes befinden sich auch die Reka- und Landal-Feriendörfer sowie ein kleiner Familienskilift, der 2008 vom Swiss Holiday Park erworben werden konnte und nun zu dessen vielseitigen Ferienangeboten im Winter gehört. 2014 kam noch ein Erlebnis-Bauernhof dazu.

Fotos:
Titelbild: Palace Hotel Axenfels Morschach; Foto ab Schautafel Morschach
Beitragsbild: Axenfels vor dem Umbau; alte Postkarte, Privatarchiv Grüter
Beitragsbild: Axenfels im Vollausbau mit Dach-Türmen; alte Postkarte; Privatarchiv
Beitragsbilder: Schwimmbad und Golfplatz; Zeitungsberichte im „Bote der Urschweiz„; Archiv Immoos
Beitragsbild: Übersichtskarte heute

Textquellen:
Unterlagen der Kulturgruppe Morschach
Privates Familienarchiv Immoos
Historische Hotels; Hotelpaläste zwischen Traum und Wirklichkeit
Die zwei Bücher von R. Flückiger-Seiler zu den Belle Epoque-Hotels