Das Amuse bouche vom 23.02.2026

Ein Findelkind und seine vier Paten

Als Quellen dienten:
Edouard Osenbrüggen: Axenstein – Vierwaltstättersee, Verlag Orell Füssli Zürich, 1867 und
https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Agassiz

Der Erbauer des Hotels Axenstein, der Einsiedler Ambros Eberle (1820 – 1883), war als Kind seiner Zeit Romantiker und Realist zugleich. Als realistischer Geschäftsmann kannte er den Hang seiner Gäste zur Romantik und gestaltete seinen Hotelpark mit vielen verschlungenen Waldwegen, zierlichen Pavillons und idyllischen Ruheplätzen aus .

Plan aus: August Feierabend: Axenstein am Vierwaldstättersee. Schwyz 1869

Die dort zahlreich herumliegenden grossen und kleineren Findlinge schmückte er mit seinen Gedichten. Die Sprache romantisch und der Inhalt oft mythisch wie die Inschrift des “Druidensteins”, aber dann  auch wieder sehr nah an den wissenschaftlichen Entdeckungen seiner Zeit.

Den Geologen-Stein hinter dem Gletschergärtchen widmete er vier bekannten, zeitgenössischen Schweizer Wissenschaftlern: Die Professoren Bernhard Studer und Arnold Escher von der Linth galten als “Urväter der Schweizer Alpengeologie”, ihr gemeinsamer Kollege Oswald Heer dozierte als Botaniker ebenfalls am Polytechnikum Zürich (heute ETH) und war berühmt als Bergsteiger.

Nur der vierte auf dem Stein fällt etwas aus der Reihe. Sicher war er der Berühmteste der Vier und als Doktor der Philosophie und Doktor der Medizin hochgebildet. Der König von Preussen, der ja auch Fürst von Neuenburg war, richtete ihm dort eigens eine Professur ein, wo er international angesehener Experte für Fische und Stacheltiere wurde. Er veröffentlichte unter seinem Namen Louis Agassiz viel und publikumswirksam – meistens Arbeiten seiner Mitarbeiter und Studenten.

Berühmt wurde Agassiz durch die Entdeckung, dass das ganze Schweizer Mittelland früher von Gletschern bedeckt war, die Findlinge transportierten. Nur hatte diese Entdeckung nicht er, sondern sein Freund Karl Friedrich Schimper gemacht, was Agassiz bei der Veröffentlichung seiner Hypothese allerdings überging. In der Folge widmete er sich intensiv der Erforschung  der Gletscher in der Schweiz und in Amerika und wurde als Begründer der Eiszeittheorie gefeiert. Das würdigte Ambros Eberle auf dem Geologenstein mit der Inschrift:

 LOUIS AGASSIZ 
 Du warst der Erste, der sich bekehrte
und lehrte:
Colosse, wie hier liegen,
Können nicht fliegen, –
Sie kamen hier an
Per Gletscherbahn
 

Die Fortsetzung mit wenig rühmlichem Ende folgt in ein paar Tagen – Bleiben Sie dran!


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